Aktienanlagen um die Jahrhundertwende: Sieben Ratgeber

Das Kapitalmarktumfeld ist durch ein hohes Maß an Unsicherheit gekennzeichnet. Die Diagnose ist weitgehend klar, wir stehen an einem Wendepunkt: Durch die Corona-Pandemie und teilweise eskalierende geopolitische Spannungen haben sich Trends verstärkt und neue begonnen. Das hinterlässt natürlich Spuren an den Aktienmärkten. Diese Anlageklasse ist besonders sensibel und unterliegt Veränderungen. Seine Größe spiegelt sich diesmal auch in einer Verschiebung der Anlagepräferenzen und höheren Risikoprämien wider. Es ist noch nicht klar, wohin der Flug geht und wo möglicherweise neue Kredite zu finden sind.

Derzeit dominieren Wachstums- und Inflationssorgen. Die Ereignisse sind geprägt von der Ungewissheit rund um den Ukrainekrieg und den damit verbundenen Folgen – Sanktionen, Produkt- und Rohstoffknappheit sowie stark gestiegene Preise für Öl, Gas, Agrarprodukte oder Industriemineralien. Europa trägt derzeit die Hauptlast der Kriegsfolgen. Gleichzeitig besteht Unsicherheit darüber, ob die Zentralbanken, die beschlossen haben, die Inflation durch Zinserhöhungen zu bekämpfen, angesichts der vielen wachstumsbedingten Risiken das Ziel übertreffen werden. Die Volkswirte von Union Investment gehen jedoch davon aus, dass die Inflation bald leicht zurückgehen wird, was es den Zentralbanken erleichtern wird, eine „sanfte Landung“ zu erreichen, ohne den aktuellen Konjunkturzyklus zu unterbrechen.

Die aktuelle Marktsituation bietet daher neben den Risiken auch Chancen – allerdings sind Geduld und Umsicht gefragt. Obwohl die Gewinnerwartungen gesunken sind, deuten sie immer noch auf ein stabiles Wachstum hin. Obwohl die Spannungen in den Lieferketten in einigen Regionen der Welt bestehen bleiben, gehen Experten von Union Investment davon aus, dass sie allmählich nachlassen werden. Kommt es nicht zu einer vollständigen Abschaltung der russischen Erdgaslieferungen, dürfte nicht nur die US-Wirtschaft, sondern auch die Wirtschaft Europas weiter wachsen – und das Wachstumstempo dürfte sich 2023 angleichen.

Das bedeutet, dass Aktien weiterhin eine potenziell aussichtsreiche Rolle in einem Multi-Asset-Portfolio spielen sollten. Anleger sollten jedoch auf sieben Punkte ihrer Anlagestrategie achten:

1. Duration ist wichtig – auch bei Aktien:

Wachstumsaktien – sogenannte Wachstumsaktien – haben sich in den letzten zehn Jahren überdurchschnittlich entwickelt, weil ihre Bewertung von niedrigen Zinsen getrieben wurde. Da Wachstumsunternehmen erst einen signifikanten Teil ihrer Gewinne in ferner Zukunft erwirtschaften, also eine lange „Duration“ (Zeitraum der Kapitalbindung) haben, wirken sich höhere Zinsen besonders stark auf ihre Bewertung aus. Unternehmen, die voraussichtlich in den kommenden Jahren überwiegend profitabel sein werden und daher eine kurze Duration haben, wie etwa Handels- oder Energieunternehmen, sind hingegen weniger von höheren Zinsen betroffen. Vor dem Hintergrund des hohen nominellen Wirtschaftswachstums ist aber auch die Marktbreite deutlich größer als zuvor: Gewinn- und Umsatzwachstum verteilen sich auf mehr Firmen, und die Wachstumssegmente sind führend.

2. Ein Artikel, der ein Comeback feiert:

Die von den amerikanischen Investoren Benjamin Graham und David Dodd formulierte Anlagestrategie, die hauptsächlich auf positiv bewertete Aktien setzt, hat ihre frühere Attraktivität wiedererlangt. Im historischen Langfristvergleich schneiden Value-Aktien tendenziell etwas besser ab als Growth-Aktien (siehe Grafik). Wir erwarten, dass Value-Aktien in Bezug auf die Performance in den letzten 10 Jahren im Vergleich zu Wachstumsaktien etwas aufholen werden. Unsere Ökonomen gehen davon aus, dass die Inflation nicht mehr auf das sehr niedrige Niveau vor der Corona-Pandemie zurückkehren, sondern dauerhaft hoch bleiben wird. Dadurch steigt das nominelle Wachstum, und die Prämie zum Marktwachstum, die bisher vor allem in Technologie- oder Online-Geschäften zu finden war, schwindet – Wachstum ist kein knappes Gut mehr.

Aktueller Lagerwert mit Performance-Vorteil

Cowell: Bloomberg, Union Investments; Flügel: 13. Juni 2022

3 – Wachstumsfelder verschieben sich:

Die Ära des Aktienwachstums ist im Prinzip nicht vorbei, aber der Fokus verschiebt sich. Strukturelle Wachstumstrends, beispielsweise bei Digitalisierung, Deglobalisierung, demografischem Wandel und Dekarbonisierung der Wirtschaft, bleiben bestehen. Dies erweitert auch das Wachstumspotenzial für Aktien außerhalb des Technologiesektors. Denn der Technologiesektor wächst von seiner zuvor deutlich überlegenen Ertragsentwicklung ab. Die Gewinndynamik hat ihren Höhepunkt erreicht – allerdings wird dieser Trend aktuell durch Verbraucher- und Investitionsentscheidungen verstärkt, beispielsweise durch erhöhten Wettbewerbsdruck und mehr Regulierung. Andererseits sind immer mehr Branchen von Digitalisierung und Automatisierung betroffen, etwa die Industrie oder das Gesundheitswesen. Hier entstehen neue Wachstumsfelder. Auch der Rohstoffsektor dürfte durch seinen Beitrag zur Dekarbonisierung – etwa durch den verstärkten Einsatz von Elektromobilität – langfristig davon profitieren.

4. Qualitätsfaktor:

Trendstarke Aktien wie der Fitnessbike-Hersteller Peloton oder der Videokonferenz-Softwareanbieter Zoom haben in den letzten Monaten deutlich an Wert verloren. Dagegen haben sich Aktien von Unternehmen mit Triple-A- oder Double-A-Bonitätsrating seit Jahresbeginn deutlich über dem Börsendurchschnitt entwickelt. Im aktuell herausfordernden Marktumfeld trennt sich die Spreu vom Weizen. Unternehmen, die keinen oder einen wackeligen Gewinn ausweisen, werden im Rating deutlich herabgesetzt. Andererseits sind Unternehmen mit einer starken Position auf dem Weltmarkt, loyalen Kundenbeziehungen und einer guten Preissetzungsmacht attraktive Investitionen im Kontext einer strukturell hohen Inflation. Diese Unternehmen sind in vielen Branchen zu finden, wie Industrie, Verbraucher (z. B. im Lebensmittelbereich oder im Lebensmittelhandel), Energie, Rohstoffe und Finanzen.

Aktien in schwierigem Fahrwasser: Gewinnwachstum verlangsamt sich

Gewinne geben weniger Wind

Cowell: Bloomberg, Union Investments; Der Flügelspieler: 31. Mai 2022.

Bewertungen sind normalisiert

Cowell: Bloomberg, Union Investments; Der Flügelspieler: 31. Mai 2022.

5. Minderung von Inflationsrisiken:

In einem Umfeld steigenden Nominalwachstums und hoher Inflationsraten sind Aktien eine bessere Option als Anleihen. Viele qualitativ starke und innovative Unternehmen haben die Möglichkeit, Preiserhöhungen an Käufer ihrer Produkte oder Dienstleistungen weiterzugeben und so ihre Margen auch in einem Umfeld steigender Kosten zu schützen. Darüber hinaus sind auch Sektoren an der Börse notiert, die sich – zumindest in der Vergangenheit – in einem Umfeld erhöhter Inflation stark entwickelt haben, wie etwa Rohstoff- oder Immobilienaktien und Infrastrukturdienstleister, aber auch Unternehmen aus dem Bankensektor .

6. Bewertungen können Chancen eröffnen:

Kursverluste an den Rentenmärkten führten zu einer Neubewertung der Aktien. Auch viele Großanleger mussten in den vergangenen Monaten zum Teil Risiken reduzieren und ihre Einsätze reduzieren. Dies hat die Aktienmärkte korrigiert und die Bewertungen deutlich reduziert. Gemessen am S&P 500 sind US-Benchmark-Aktien aktuell mit etwa dem 18-Fachen des Gewinns bewertet, der deutsche Leitindex DAX 40 sogar mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 1. Beides sind historisch recht niedrige Werte. Angesichts gesunder Wachstumstrends gehen die Experten von Union Investment davon aus, dass Unternehmen trotz der aufgeführten Risiken weiterhin wirtschaftliche Werte liefern können. Mit einem aktiven, fundamental orientierten Bottom-up-Ansatz und einem scharfen Blick auf das Bewertungssystem sollten sich hieraus vielversprechende Gelegenheiten ergeben. Zu den unterbewerteten Sektoren gehören Rohstoffe und Banken.

US-Aktienmarktbewertung nach historischem Durchschnitt

Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500-Index

Cowell: Bloomberg, Union Investments; Flügel: 3. Juni 2022

7. Aktive Aktionen deuteten darauf hin, dass:

Angesichts der vielen Risiken, die für die Anlageklasse Aktien bestehen, sowie neuer Chancen ist eine aktive Auswahl und sorgfältige Überwachung des Marktgeschehens entscheidend, um bei Bedarf schnell eingreifen zu können. Anleger sollten ihre Renditeerwartungen niedrig halten – und sich auf eine weiter erhöhte Volatilität einstellen, da der Bewertungsschub durch niedrigere Zinsen wie bisher wegfällt. Gleichzeitig sollte sich die Fokussierung auf international breit aufgestellte Unternehmen auszahlen. Damit können Investoren auch Risikoszenarien – etwa im Falle einer Eskalation des Ukraine-Krieges oder eines pauschalen Energieembargos – besser berücksichtigen, da sich diese Unternehmen nicht nur auf eine Region fokussieren.

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Der Wert und die Erträge aus der Anlage in Fonds oder Wertpapiere können fallen oder steigen. Anleger dürfen nur weniger als das investierte Kapital einzahlen. Währungsschwankungen können sich auf die Anlage auswirken. Bitte beachten Sie die Regelungen zu Werbung und Aktienangebot im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com stellen keine Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten von Wertpapieren, Fonds oder anderen Vermögenswerten dar. Die Informationen zu e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Es kann jedoch versehentlich falsche Darstellungen geben. Es kann daher keine Verantwortung oder Garantie für den Inhalt, die Richtigkeit oder Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Seiten, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jede Haftung für direkte, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den bereitgestellten oder anderen verfügbaren Informationen entstehen. NewsCenter ist eine private, kostenpflichtige Werbeform der e-fundresearch.com AG für Vermögensverwaltungsgesellschaften. Das Urheberrecht und die alleinige Verantwortung für die Inhalte liegt bei der Vermögensverwaltungsgesellschaft als Nutzer einer speziellen Form der NewsCenter-Werbung. Alle News Center-Benachrichtigungen sind Pressemitteilungen oder Marketingmitteilungen.

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