Der Krieg gegen die Ukraine: Wege aus der Getreideblockade finden

Stand: 20.06.2022 16:33 Uhr

Die EU-Länder suchen verzweifelt nach einer Lösung für das Embargo für Getreideexporte aus der Ukraine. EU-Chefdiplomat Borrell rechnet mit einer baldigen Einigung. Warnungen vor den Folgen des Scheiterns werden immer radikaler.

Laut EU-Außenpolitikkoordinator Josep Borrell wird das Problem des Getreideexportverbots in der Ukraine gelöst. “Wir machen Fortschritte und (…) ich bin sicher, dass die Vereinten Nationen am Ende eine Einigung erzielen werden”, sagte der Spanier beim EU-Treffen zu Verhandlungen, insbesondere mit Russland und der Ukraine.

Es ist unvorstellbar, dass in der Ukraine immer noch Millionen Tonnen Weizen zurückgehalten werden, während Menschen im Rest der Welt hungern. Zum Zeitpunkt der möglichen Einigung sagte Borrell, er könne sich nicht vorstellen, dass es noch viel länger dauern würde. Wenn ja, wird Russland verantwortlich sein.

Besorgt über eine massive Hungerkrise

Das Exportverbot für Getreide gilt als “echtes Kriegsverbrechen”. Hunger sollte nicht als Kriegswaffe eingesetzt werden.

Aufgrund des russischen Angriffs, der Blockade der Schwarzmeerhäfen und der massiv gestiegenen Getreidepreise auf dem Weltmarkt konnten beispielsweise viele Länder Afrikas nicht wie geplant mit Nahrungsmitteln wie Weizen versorgt werden. „Wir steuern auf eine der größten Hungerkrisen der letzten Jahrzehnte zu und müssen alles tun, um so viel wie möglich zu vermeiden“, sagte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulz der dpa.

Bundesaußenministerin Annallina Barbock hat bei den EU-Konsultationen in Luxemburg angedeutet, dass es am Freitag in Berlin eine internationale Konferenz zum Thema Getreideexporte aus der Ukraine geben wird. Auch US-Außenminister Anthony Blinken werde dazu kommen, sagte der Grünen-Politiker.

Finden Sie alternative Methoden

Die internationale Gemeinschaft fordert Russland seit Wochen auf, den Export von ukrainischem Getreide zuzulassen. Die Ukraine beklagt die Schließung ihrer Häfen im Schwarzen Meer durch die russische Marine. Beide Länder gehören zu den größten Weizenexporteuren und spielen eine wichtige Rolle für die globale Ernährungssicherung.

Um zumindest einen Teil der normalen ukrainischen Getreideexporte zu ermöglichen, werden derzeit alternative Routen über EU-Länder wie Rumänien und deren Expansion genutzt. Allerdings ist diese nicht so effizient wie die bisherige große Exportroute durch die ukrainische Schwarzmeerhafenstadt Odessa.

Bei der Suche nach einer Lösung herrscht Zeitdruck, vor allem weil in der Ukraine eine weitere Ernte bevorsteht und die Lager des Landes wegen der Blockade des Schwarzen Meeres noch mit Getreide aus der vorherigen Ernte gefüllt sind. Schätzungen zufolge lagern etwa 20 Millionen Tonnen Getreide in ukrainischen Häfen.

Ist es möglich, Getreide durch Ungarn zu exportieren?

Große Mengen dieses Getreides können auch über Ungarn exportiert werden. Das zumindest schlug der ungarische Außenminister Peter Szyjjarto beim EU-Außenministertreffen vor.

Unterdessen hat Polen an einem Grenzübergang zur Ukraine fünf zusätzliche Lkw-Abfertigungsstellen eröffnet, um den Export von Getreide aus dem Nachbarland zu erleichtern. Dies sei doppelt so viele wie frühere Check-in-Punkte, sagte der Leiter des Büros des polnischen Premierministers, Michal Dorczyk, am Grenzübergang Kurzowa-Krakowicz.

Technische Probleme, die schwer zu überwinden sind

Zusätzliche Abfertigungsstellen werden dazu beitragen, Staus und Wartezeiten für den Güterverkehr auf beiden Seiten der Grenze zu reduzieren. Dies diene auch der globalen Ernährungssicherung, sagte der ukrainische Infrastrukturminister Oleksandr Kobrakov.

Polens Landwirtschaftsminister Henrik Kowalczyk sagte kürzlich, er strebe einen Export von 1,5 Millionen Tonnen pro Monat an. Die Ukraine hat ihre Erwartung zum Ausdruck gebracht, bis zu fünf Millionen Tonnen Getreide auf dem Landweg über Polen exportieren zu können. Dies ist jedoch nicht möglich, da Polen dafür technisch nicht bereit ist. Das größte Problem seien seiner Meinung nach die unterschiedlichen Bahnbreiten – in der Ukraine seien die Gleise in russischer Breitspur ausgelegt.

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