Deutschland erklärt Gasalarm, Österreich tut dies derzeit nicht

Angesichts sinkender Gaslieferungen aus Russland forderte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) die zweite Phase des Gas-Notfallplans – „Gas ist mittlerweile ein knappes Gut“, sagte Habeck am Donnerstag auf einer Pressekonferenz.

„Die Lage ist ernst“, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in Berlin. Die Unterbrechung der Gasversorgung ist ein wirtschaftlicher Angriff auf uns. Die Strategie des russischen Präsidenten Wladimir Putin besteht darin, Unsicherheit zu schüren, die Preise zu erhöhen und zu spalten.

Habek sieht im Sommer trügerische Sicherheit bei der Gasversorgung. “Wir befinden uns in einer Gaskrise. Gas ist ab sofort ein knappes Gut. Die Preise sind bereits hoch und wir müssen uns auf weitere Erhöhungen einstellen.” Oberste Priorität hat nun das Befüllen der Gasspeicher. Sie müssen sich auf den Winter vorbereiten. Alternative Anbieter werden gesucht und erneuerbare Energien ausgebaut. Außerdem muss mehr Gas bereitgestellt werden. Wir haben in den letzten zehn Jahren viel verpasst.

Lage in Österreich „stündlich neu bewertet“

In Österreich gilt vorerst weiterhin die Frühwarnstufe. Das hat die Bundesregierung nach Beratungen mit dem im Referat Klimaschutz eingerichteten Krisenstab beschlossen. Aber Ministerin Leonor Gosler (Grüne) schrieb in einer Erklärung: “Die Lage wird genau beobachtet und stündlich neu bewertet.” Gasliefermengen und Speicherstruktur sind entscheidend. Wenn die Gedächtnisstruktur gefährdet sei, „müssen wir handeln“. Russland ist kein verlässlicher Partner. Der Speichergrad liegt bei 42,7 Prozent und die Versorgung ist auch heute noch gewährleistet.

Die Preiserhöhung wird nicht direkt an die Kunden weitergegeben

Doch das bedeutet für Unternehmen und Verbraucher vorerst nicht, dass Energieversorger dramatisch gestiegene Einkaufspreise für Erdgas direkt an ihre Kunden weitergeben können, erfuhr Reuters von drei Insidern.

Die Bundesnetzagentur wird die entsprechende Preisanpassungsklausel nach dem EnergieSiG noch nicht aktivieren. Die dafür erforderliche „deutliche Reduzierung der gesamten Gasimportmengen“ wird die Regulierungsbehörde noch nicht konkretisieren. Dazu will sich das Wirtschaftsministerium derzeit nicht äußern. Habek will morgens um 10 Uhr vor der Presse stehen. Der Fokus soll dabei auf dem Thema Energie und Versorgungssicherheit liegen. Weitere Details nannte das Ministerium nicht.

Die Alarmstufe ist die zweite von drei Eskalationsstufen für den Gasnotfallplan. Die entsprechende Regelung wurde erstmals nach dem russischen Angriff auf die Ukraine aktiviert. Habek hatte die Frühwarnstufe am 30. März bekannt gegeben.

Preisanpassungskondition anlegen

Im Gegensatz zur Frühwarnstufe kann die Warnstufe fatale Folgen für Unternehmen und Verbraucher haben, wenn Energieversorger höhere Bezugspreise direkt an ihre Kunden weitergeben können. Dafür wurde im Mai eine neue Preisanpassungsklausel im Energiesicherheitsgesetz geschaffen. Aber das ist nicht automatisch. Es muss zunächst von der Bundesnetzagentur offiziell freigeschaltet werden.

Die Ausrufung der Alarmstufe ist aber auch Voraussetzung für die Umsetzung der Pläne der Regierung, mehr Kohlekraftwerke wieder ans Netz zu bringen, um Erdgas für die Stromerzeugung bereitzustellen. Das entsprechende Gesetz wird am 8. Juli vom Bundesrat verabschiedet.

Gasmarkt ist nach Erstickung enger

Begründet wurde die Ankündigung der Alarmstufe wohl mit der Reduzierung der Gastransporte über die Ostseepipeline Nord Stream 1. Seit der Drosselung des Gasflusses in der vergangenen Woche ist der Gasmarkt angespannter als zuvor. Die Alarmstufe kommt nicht nach dem Eingriff des Staates in den Gasmarkt.

Erst mit der Notrufstufe als letzte Stufe der Eskalationsleiter wird die Bundesnetzagentur zuordnen, wer im Falle einer Gasknappheit noch Gas bekommt. Private Familien sind besonders geschützt und müssen so lange wie möglich versorgt werden. Die Industrie wird sich dann auf die Kürzungen einstellen müssen.

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