Halbjahresprognose 2022: Struktureinbruch mit guten Ergebnissen | Märkte | 23.06.2022

Axel Kron, Chief Investment Strategist bei HSBC AM in Deutschland, blickt recht optimistisch auf die Kapitalmärkte im zweiten Halbjahr. Die Zinsverschiebung in den USA und Europa wird die Struktur der Märkte verändern, aber die Aussichten insbesondere für Aktienanleger sind trotz aller Turbulenzen positiv.

Axel Kron, Chief Investment Strategist bei HSBC Asset Management in Deutschland

© HSBC Global AM

“Das ist ein Strukturbruch. So etwas gab es schon lange nicht mehr”: Für Dr. Axel Kron, Chief Investment Officer bei HSBC Asset Management (Deutschland), Kapitalmärkte weltweit am Beginn einer neuen Ära. “Ein Zurück zu dem Zustand vor einigen Monaten wird es auf Dauer nicht geben. Darauf müssen sich Investoren einstellen.”

Zu Beginn des Jahres überwog vorsichtiger Optimismus
Die Erwartung war: Die Welt nach Corona wird wie die Welt vor Corona sein. Doch der Krieg in der Ukraine habe die Ausgangslage verändert, so Kron. Anhaltende Lieferkettenprobleme, sich verschlechternde Wachstumsaussichten, hohe Inflation und die Situation an den Rohstoffmärkten trübten die Marktstimmung zusätzlich. Außerdem gibt es das, worauf Anleger lange gewartet haben: eine Zinswende. Aber es kommt schneller und härter als erwartet.

Die Zinswende verändert die Märkte
„Die Zinsverschiebung verändert die gesamte Struktur der Kapitalmärkte“, sagt Kron. Aber im positiven Sinne. Negativzinsen in Entwicklungsländern sind in der Tat eine Anomalie. Mit der Zinswende der großen Notenbanken ist an den Märkten wieder Normalität eingekehrt. Aber der Markt hat sich noch nicht vollständig an diese neue Normalität angepasst. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Folgen der Zinsverschiebung alle Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben werden. „Aber die Auswirkungen sind bereits sichtbar.

Die gesamte Zinsstruktur ist bereits gestiegen
Zehnjährige US-Staatsanleihen schlagen die aktuell erwartete Inflation. „Nachdem fast zwei Jahrzehnte lang über negative Realzinsen gesprochen wurde, ist dies zu einer ganz neuen Situation geworden“, sagte Kron. Die Renditen von US-Staatsanleihen sind derzeit höher als die Renditen chinesischer Anleihen. “Das stellt die Kapitalmärkte vielleicht nicht auf den Kopf. Aber es zeigt, dass sich dort einiges verändert hat.”

Die Inflation wird sinken – die Wirtschaft wird wachsen
Trotz aller Turbulenzen in der Realwirtschaft und an den Finanzmärkten blickt Cron grundsätzlich zuversichtlich in die Zukunft. Die starken Wachstumsraten der vergangenen Quartale in vielen Volkswirtschaften werden nicht nachhaltig sein. Aber die Weltwirtschaft soll 2022 noch um 2,5 bis 3 Prozent wachsen. “Wir sehen sicherlich keine globale Rezession.”

Keine globale Rezession auf dem Bildschirm
Auch Crone geht davon aus, dass hohe Inflationsraten im Laufe des Jahres wieder sinken werden: “Alles, was eine hohe Inflation erklärt, dürfte bald weg sein.” Die ersten großen Anzeichen sind, dass sich die Probleme in der Lieferkette bald auflösen sollten.

Es wird jedoch noch einige Zeit dauern, bis die Auswirkungen der Inflationsbekämpfung deutlich werden. Bis dahin müssen die Zentralbanken etwas tun. sagte Krone. „Die Fed hat sich hervorragend geschlagen, Woche für Woche ihre Rhetorik verschärft und die Inflationsbekämpfung zu ihrem Hauptthema gemacht.“ Dies hat zu einem deutlichen Rückgang der Inflationserwartungen an den Märkten geführt. Langfristig besteht keine Inflationsgefahr mehr.

Von einer nachlassenden Globalisierung ist nichts zu spüren
„Deglobalisierung wird nicht am grünen Tisch angesetzt“, sagt Crone. “Die Verbraucher sind diejenigen, die die Entscheidungen treffen.” Solange sie sich für billigere Produkte entscheiden, wird der Druck bestehen, kostengünstiger zu sein. Aber es macht Sinn, innezuhalten und die potenziellen Effizienzgewinne kritisch zu hinterfragen. “Wachstum kann auf eine solidere Basis gestellt werden, ohne sich von der Globalisierung zu verabschieden.”

Defensive Positionen für Anleger
Auf diesen Fundamenten können Anleger ihre Strategie aufbauen – und noch kaum über Aktien. Wer sich jetzt aus seinen Aktienpositionen zurückzieht und mehr Cash hält, ist der Inflation ausgeliefert – ohne Chance auf positive Entwicklungen. Im aktuellen Marktumfeld ist jedoch eine defensive Haltung sinnvoller. „Aber wenn die Inflationsraten nachhaltig sinken, beruhigt sich die Lage“, sagt Kron. Die Märkte werden sich an das neue Zinsumfeld anpassen und sich auf Unternehmensgewinne konzentrieren. Und wir werden weiterhin sehen, dass Aktien grundsätzlich funktionieren.”

Zuletzt gute Quartalszahlen börsennotierter Unternehmen
Die aktuellen Quartalszahlen der börsennotierten Unternehmen enthielten viele positive Botschaften für Aktienanleger. Unternehmen in den USA haben gute Zahlen geliefert und liegen bei steigenden Gewinnen im langjährigen Durchschnitt. Auch in Europa gibt es optimistische Prognosen. „Das muss man angesichts der aktuellen Probleme erstmal machen“, sagt Crone. “Das spricht für gute Geschäftsmodelle. Der Ton in den Unternehmen ändert sich entsprechend. CEOs sprechen wieder mehr über Investitionen.”

Die Aussichten für Aktienanleger sind also positiv
Dies gilt auch, wenn die Kurse an den Börsen dies noch nicht widergespiegelt haben. Bis sich die Situation an den Aktienmärkten beruhigt hat, ist es sinnvoll, sich auf Sektoren zu konzentrieren, die nicht eng mit der Zinsentwicklung korrelieren und solide Dividenden versprechen. “Für Aktienwachstum ist es zu früh.” Auf jeden Fall sollten Anleger jetzt stärker darauf achten, wo sie investieren.

Konzentrieren Sie sich mehr auf Lateinamerika und Südostasien
Lateinamerika hat in letzter Zeit etwas den Fokus verloren. Aber wir sehen dort den Beginn einer positiven Entwicklung, sagt Crohn. Allerdings haben sich Anleger in Schwellenländern in der Vergangenheit zu sehr auf China konzentriert. Das soll sich ändern. Auch Südostasien kann von der aktuellen geopolitischen Entwicklung profitieren.“ Dies eröffnet neue Chancen für Investoren, zumal China derzeit nicht mehr wie in der Vergangenheit die tragende Säule wirtschaftlicher Stabilität ist.

Steigende Lebensmittelpreise in Asien wirken sich erheblich auf die Inflation aus
Crohn äußert jedoch Bedenken, dass das Thema Inflation in Asien nicht unterschätzt werden sollte. “Steigende Lebensmittelpreise treffen die Länder dort ganz anders als wir. Mancherorts besteht der Einkaufswagen zu 50 Prozent aus Lebensmitteln.” Die Auswirkungen steigender Lebensmittelpreise lassen sich noch nicht richtig abschätzen.

Das asiatische Wachstum zieht Investoren an
Grundsätzlich besteht aber weiterhin eine große Bereitschaft der Investoren, auf Wachstum in Asien zu setzen. „Aber der Einstieg ist nicht mehr billig“, sagt Kron. Auch Investoren suchen zunehmend verlässliche Rahmenbedingungen für ihre Investitionen in der Region. „Aber wenn diese Bedingungen gegeben sind, sieht es gut aus für Asien.“ (Kilobyte)

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