Koscherer Sex im Jüdischen Museum

Museumsdirektorin Danielle Spira sagt, das Judentum habe einen ganz anderen Umgang mit Sex: “Sexualität soll Freude bereiten.” Ein keusches und demütiges Leben wie im Christentum ist im Judentum nicht wünschenswert. Auch dem weiblichen Orgasmus wird ein Wert beigemessen: Im Judentum muss ein Mann seiner Frau gefallen.

Ruth Westheimer, besser bekannt als „Dr. Ruth“. Eine Holocaust-Überlebende und Sexualtherapeutin wurde durch Radio und Talkshows bekannt und war eine Inspiration für Spera. Brettspiel “Dr. Ruth Spiel für den guten Sex”. Minuspunkte gibt es für die Erwähnung eines alten Partners sowie Punkte für das Tragen eines durchsichtigen Nachthemds. Produkte aus einem Halal-Sexshop – wie Vibratoren und Penisringe – sind hinter Schlüssellochfenstern zu sehen.

Fotoserie mit 8 Fotos

Koscherer Sex

Schließlich muss auch Sex koscher, also religiös erlaubt sein. Es ist einem Ehepaar nicht erlaubt, während der Menstruation Geschlechtsverkehr zu haben. Um Körperkontakt zu vermeiden, sollte der Mann oder die Frau das Sofa im Wohnzimmer benutzen. Es gibt aber auch eine „koschere Familie“. Ein so gestaltetes Bett, dessen Matratze durch einen bedruckten Reißverschluss geteilt wird, ist Teil der Galerie. Nach dem Zyklus soll sich die Frau in seiner Mikwe, einem privaten Tauchbecken, rituell reinigen, damit sie wieder bei ihrem Mann schlafen kann.

Homosexualität und Judentum

Eine Darstellung der Sexualität im Judentum kommt nicht ohne den historischen Hintergrund aus: Homosexuelle Juden werden in der Thora als „gehasst“ abgestempelt und selbst im orthodoxen Wien diskriminiert. Doch es gibt eine Gegenbewegung in liberalen jüdischen Gemeinden: Die Reformgemeinde Or Chadasch heiratet auch gleichgeschlechtliche Paare.

Das Jüdische Museum / David Bohman

Die Ausstellung „Love me Kosher“ ist vom 22. Juni bis 13. November zu sehen

Jüdische Einflüsse finden sich auch in der schwulen Subkultur: In „Love me Kosher“ sind Plakate aus dem Kibbuz-Club zu sehen. Diese Party wird mit israelischer Popmusik in Wien veranstaltet und orientiert sich an der LGBTQI-Szene in Tel Aviv. Israel ist das schwulenfreundlichste Land im Nahen Osten. Seit 1993 dienen auch israelische Schwule in der Armee. Kritiker sehen darin jedoch eine “Rosawäsche”. Sie glauben, dass die Armee ihr Image verbessern will, das durch den Konflikt mit Palästina getrübt wurde.

Heirat mit Juden

Die Habsburger haben jüdischen Eheschließungen lange Zeit strenge Beschränkungen auferlegt: Nur die ältesten Söhne der jüdischen Familie durften heiraten. In Kaiser- und Königszeiten wurden jüdische Ehen meist von Familien arrangiert. Mädchen müssen gefördert und Bündnisse gestärkt werden. Ein Phänomen war, dass die „Ringstraßenfamilien“ fast ausschließlich untereinander heirateten. 1868 wurde die Zivilehe eingeführt, die Mischehen, also Ehen zwischen Juden und Nichtjuden, ermöglichte.

Galerie im Jüdischen Museum zur Homosexualität im Judentum

Das Jüdische Museum / David Bohman

Der Name Kibbuz Club kommt von Kibbuzim, einer zionistischen Siedlung in Israel

Während der Nazizeit boten Mischehen einen gewissen Schutz für Ehepartner. Doch der antisemitische Terror des Faschismus wirkte sich auch auf das Seelenleben der Juden aus: Die Ehe mit Nichtjuden wurde verboten und Juden wurden Opfer von Vergewaltigungen. Manche versuchten mit Scheinehen ins Ausland zu fliehen.

Vielfalt Galerie

Neben Exponaten, historischen Informationen und Diskussionen zu aktuellen Themen bietet die Ausstellung auch Interviews mit Rabbinern und einem Heiratsstifter. Auch Kunst ist zu sehen, darunter Werke von Friedensreich Hundertwasser und Eric Brauer.

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